Soli­da­risch mit all jenen, die für ein Leben in Selbst­be­stim­mung, Gerech­tig­keit und Frie­den kämp­fen.
Soli­da­ri­os con aquellos que luchan por una vida con auto­de­ter­mi­nación, jus­ti­cia y paz.

Seit drei Jahren verschwunden – Ricardo Lagunes und Antonio Díaz

15. Janu­ar 2026

Straf­lo­sig­keit been­den – Ver­ant­wor­tung über­neh­men!!

©Pri­vat. Unser Dank geht an die Fami­li­en von Anto­nio Díaz Valen­cia und Ricar­do Lagu­nes Gas­ca

Drei Jah­re nach dem Ver­schwin­den­las­sen von Anto­nio Díaz Valen­cia und Ricar­do Lagu­nes Gas­ca ist durch inter­ne Doku­men­te der mexi­ka­ni­schen Gene­ral­staats­an­walt­schaft belegt, dass die Tat von Mit­glie­dern des Cár­tel Jalis­co Nue­va Genera­ción aus­ge­führt wur­de. Der Tat­her­gang ist inzwi­schen minu­ti­ös rekon­stru­iert, ein­schließ­lich der Über­wa­chung der Betrof­fe­nen und der koor­di­nier­ten Durch­füh­rung des Angriffs. Den­noch bleibt die ent­schei­den­de Fra­ge unbe­ant­wor­tet: Wer gab den Auf­trag und wer nahm even­tu­ell das sich abzeich­nen­de Ver­bre­chen bil­li­gend in Kauf? Die Bedro­hun­gen der bei­den Ver­tei­di­ger im Kon­text ihres Wider­stands gegen das Berg­bau­un­ter­neh­men Ter­ni­um machen eine Unter­su­chung wirt­schaft­li­cher Inter­es­sen zwin­gend erfor­der­lich. Statt­des­sen hat die Staats­an­walt­schaft die Auf­klä­rung ver­zö­gert, Ermitt­lun­gen frag­men­tiert und den Fami­li­en zen­tra­le Infor­ma­tio­nen vor­ent­hal­ten. Die­se sys­te­ma­ti­sche Intrans­pa­renz ver­stärkt den Ein­druck einer Straf­lo­sig­keit, die dort ent­steht, wo orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät, wirt­schaft­li­che Macht und staat­li­ches Ver­sa­gen inein­an­der­grei­fen.

Das Ver­schwin­den­las­sen steht im Zusam­men­hang mit einem Kon­flikt um die Eisen­erz­mi­ne Las Enci­nas im Land­kreis Aqui­la (Bun­des­staat Michoacán), die seit 2005 vom Luxem­bur­ger Ber­g­­bau- und Stahl­kon­zern Ter­ni­um S.A. betrie­ben wird. Die lang­jäh­ri­gen Kon­flik­te zwi­schen den kol­lek­ti­ven Land­eigen­tü­mern und dem nach Aus­wei­tung der Mine stre­ben­den Unter­neh­men wur­den im vori­gen Jahr von Chris­tia­ne Schulz ana­ly­siert. Sie ver­weist unter ande­rem auf den Bericht eines inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­ten, dem­zu­fol­ge schwer bewaff­ne­te Grup­pen des orga­ni­sier­ten Ver­bre­chens mit dem Ziel agier­ten, durch Tötun­gen und Ver­schwin­den­las­sen den Wider­stand gegen die Erwei­te­rung des Ter­­ni­um-Ber­g­­werks zu unter­drü­cken. In ihrer Ana­ly­se ver­weist Schulz dar­auf, dass von Ter­ni­um grund­le­gen­de Aspek­te der inter­na­tio­na­len Stan­dards im Berg­bau­be­reich miss­ach­tet wur­den.

Die­se Situa­ti­on ist des­halb von beson­de­rer Bri­sanz, weil Ter­ni­um pro Jahr rund 6 Mil­lio­nen Ton­nen Stahl in Mexi­ko ver­mark­tet und davon min­des­tens ein Vier­tel an die dor­ti­ge Auto­mo­bil­in­dus­trie ver­kauft wird. Ange­sichts der star­ken Prä­senz deut­scher Auto­mo­bil­un­ter­neh­men (VW, Mer­ce­des, BMW) und des Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rers ZF in Mexi­ko ist sehr wahr­schein­lich, dass eines oder meh­re­re die­ser Unter­neh­men zu den Kun­den von Ter­ni­um gehö­ren. Die­se Unter­neh­men ste­hen trotz Novel­lie­rung des Lie­fer­ket­ten­ge­set­zes in der Pflicht zu Risi­ko­ma­nage­ment, Prä­­ven­­ti­ons- und Abhil­fe­maß­nah­men. Inso­fern ist es Teil der unter­neh­me­ri­schen Sorg­falts­pflich­ten, auf die Ein­hal­tung der Men­schen­rech­te bei ihrem wahr­schein­li­chen Zulie­fe­rer Ter­ni­um zu ach­ten und ent­spre­chen­de Maß­nah­men zu ergrei­fen. Die For­de­rung nach Been­di­gung der Straf­lo­sig­keit rich­tet sich also nicht nur an die mexi­ka­ni­sche Judi­ka­ti­ve – auch deut­sche Unter­neh­men soll­ten im Rah­men ihrer Sorg­falts­pflich­ten einen wich­ti­gen Bei­trag dazu leis­ten.

Im Rah­men sei­ner Inlands­pro­jek­te hat sich Part­ner Süd­me­xi­kos e.V. mit dem The­ma des Gewalt­sa­men Ver­schwin­den­las­sens und mit dem Lie­fer­ket­ten­ge­setz anhand von Bei­spie­len aus Mexi­ko befasst. Wir sind Mit­glied der Deut­schen Men­schen­rechts­ko­or­di­na­ti­on Mexi­ko, der Koali­ti­on gegen gewalt­sa­mes Ver­schwin­den­las­sen und des CorA-Net­z­­werks für Unter­neh­mens­ver­ant­wor­tung.

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